Der Familienbetrieb trotzt den Negativtrends der Branche. Aber das Minus bei Bier und Erfrischungsgetränken lässt sich nicht wegdiskutieren. Von Antonio De Mitri
Peter Theilacker kennt man als Mann klarer Worte: „Es war ein desaströses Jahr.“ So lautet sein Resümee, wenn er für seine Branche auf 2025 zurückblickt. In der Tat: Der Bierabsatz in Deutschland ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,3 Prozent oder 262 Millionen auf 3,9 Milliarden Liter zurückgegangen. Damit verzeichneten Brauereien und Bierlager ihr absatzschwächstes Ergebnis seit 1993.
Gen Z trinkt kaum noch Alkohol
„Selbst die guten Sommermonate konnten an diesem Trend nichts ändern“, so der Chef der Haller Löwenbrauerei. Tranken die Deutschen vor zehn Jahren noch im Schnitt knapp 125 Liter Bier pro Jahr und Kopf, so sind es inzwischen nur noch etwa 106. Im Vergleich dazu haben alkoholfreies Bier mit mehr als acht Litern pro Kopf und Jahr (2011: 6,0) sowie alkoholfreie Erfrischungsgetränke mit 125,5 Litern (122,5) bei den Deutschen weiter angezogen. Hinzu kommt: Angesichts steigender Lebenshaltungskosten sparen viele Verbraucher nicht nur bei den Getränken, sie gehen auch seltener aus. Laut Statistischem Bundesamt sank der Umsatz in der deutschen Gastronomie bis September real um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. „Essengehen wird immer teurer, und wenn die Leute in den Gasthäusern wegbleiben, reißt das auch uns mit“, so Theilacker.Sein Fazit: „So schlecht wie in diesem Jahr war es seit Beginn der Pandemie für uns noch nicht.“ Immerhin: Mit einem Minus von vier Prozent beim Flaschenbier und fünf Prozent beim Fassbier schnitt sein Unternehmen noch vergleichsweise gut ab.„Und es hätte noch besser werden können“, verrät Theilacker. Wenn da nicht die Sache mit den „Übervergärern“ gewesen wäre. Es war um Pfingsten, als sich von Verbrauchern und Händlern Reklamationen wegen Partyfässern häuften, aus denen beim Öffnen das Bier schoss. Verantwortlich hierfür war ein Qualitätsproblem, das Brauereien immer wieder ein Graus ist: Sogenannte übervergärende Hefen sind eine unerwünschte Fehlerquelle im Brauprozess, weil sie in der Flasche oder im Fass nachgären. Die Folge: „Das Behältnis steht unter Druck“, so Peter Theilacker. Das Ärgerliche: „Die Gefahr einer möglichen Nachgärung lässt sich bei der Produktion nicht erkennen.“ Mit mangelnder Qualität beim Einkauf der Hefe habe das nichts zu tun, betont der Brauereichef.
„Hefe ist ein Naturprodukt, das leider in seltenen Ausnahmenauch mal vom Standard abweichen kann.“ Dennoch war der Rückruf in den Folgewochen für die Löwenbrauerei mitverantwortlich für das Minus in der diesjährigen Absatzbilanz. Theilacker: „Das tut uns für unsere Kunden furchtbar leid.“
„Lieber weniger, dafür sicher“
Auch bei der Wildbadquelle zeigt die Jahreskurve insgesamt, wenn auch nur leicht, nach unten: Die Gesamtabsatzmengen der Unternehmenstochter sanken in den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres um insgesamt 2,5 Prozent. Beim Blick nach vorne paart sich für den Brauereichef Ernüchterung
mit Zuversicht: „Beim Bierkonsum werden wir Mengen wie vor Corona nicht mehr erreichen.“ Aber: Von den Meldungen der letzten Monate von Insolvenzen
(Eichbaum, Mannheim) und Werksschließungen (Oettinger) bei den deutschen Brauereien lässt er sich nicht schrecken: „Als Erstes leiden die Hersteller unter den aktuellen Entwicklungen, die sich in den Kampf um die Billigsegmente begeben und dabei Geld verschleudert haben.“ Die Löwenbrauerei fahre eine
andere Strategie: „Wir bleiben im Premiumsegment und arbeiten weiter kostendeckend. Anstatt den aktuellen Level um jeden Preis zu halten und am Ende dabei auszubluten, arbeite ich lieber bei weniger Auslastung und sichere meinen Marktanteil.“ Und außerdem: „Wer weiß – vielleicht macht Bier in wenigen Jahren ja wieder das Rennen“, fügt Theilacker mit einem Augenzwinkern hinzu. „Das ist ja das Schöne an den Trends – viele kommen und gehen. Und sind plötzlich wieder da.“
Quelle: SWP, Mittwoch, 26. November 2025, Von Antonio De Mitri