Unter dem Schild des Löwen
Der König der Tiere ist der stolze Namensgeber der Haller Löwenbrauerei. Doch woher kommt dieser Name und wieso haben die Gründer der Brauerei gerade den Löwen als Namenspatron ausgewählt?
Wer heute in der Mauerstraße in Schwäbisch Hall vor dem Eingang des Parkhauses „Alte Brauerei“ steht – schon der Name ist verräterisch – und einmal nach oben blickt, dem wird sofort eines ins Auge stechen: Ein schönes altes Wirtshausschild mit einem großen, goldenen Löwen - der je nach Witterung sogar noch ganz prächtig in der Sonne glänzt. Stolz aufgerichtet auf beiden Hinterbeinen reckt er beide Tatzen nach vorne Richtung Kocher und Altstadt. Dieser Haller Löwe ist auf dem Etikett von Haller Löwenbräu „Meistergold“ in seiner Originalform abgebildet, hat aber noch ein Gegenüber bekommen. Damit er nicht ganz alleine ist und natürlich, weil zwei Löwen viel schöner aussehen.
Doch die Ursprünge der Löwenbrauerei gehen auf die weitverzweigte Haller Familie Deutelin zurück, die seit 1724 Bier braut – was ja auf jeder Bierflasche von Haller Löwenbräu nachzulesen ist. Das bedeutet übrigens nichts anderes, als dass sich die Löwenbrauerei seit neun Generationen in Familienbesitz befindet – ununterbrochen und bis heute! Damals, um das Jahr 1724, gab es in Schwäbisch Hall aber fast zwei Dutzend Brauereien. Die alle mit einer eigenen Gastwirtschaft verbunden waren und so schöne Namen trugen wie „Zum Straußen“, „Zum Wilden Mann“, „Zur Sonne“ in der Gelbinger Gasse (die gleichnamige Gastwirtschaft gibt es noch heute) oder „Zur Glocke“. Eine Braustätte „Zum Löwen“ gab es jedoch noch nicht. Angehörige der Familie Deutelin besaßen diverse Braustätten in Hall und als der „Wilde Mann“ in der Mauerstraße im Jahr 1851 abbrannte, erwarb Georg Friedrich Deutelin das Grundstück. Er baute eine ganz neue Wirtschaft samt angeschlossener Braustätte und wählte einen neuen Namen, den es vorher in Hall noch nicht gab: „Zum Löwen“. Pächter des „Löwen“ wurde der junge Friedrich Erhard aus Weikersheim.
Und es kam, wie es kommen musste: Der junge Mann verliebte sich in Deutelins Tochter Pauline, die beiden heirateten. Der Schwiegersohn Friedrich Erhard erweiterte die Löwenbrauerei zielstrebig. Sichtbares Zeichen des märchenhaften erfolgreichen Aufstiegs der Löwenbrauerei war der Bau eines neuen Sudhauses im Jahr 1903. Die Backsteinburg ist auch heute noch eines der prägenden Gebäude der Stadt. Das Haller Löwenbräu wird aber heute in einer hochmodernen Brauerei außerhalb der Stadtmauern gebraut, die zu den innovativsten des Landes gehört. Doch wer zu den Wurzeln des „Löwen“ zurückkehren möchte ist herzlich willkommen! Denn direkt neben dem alten „Löwen“ in der Mauerstraße befindet sich das „Alte Brauhaus“, in einem Gebäude, das Friedrich Erhard hat bauen lassen. Dort kann jeder Bierfreund Haller Löwenbräu an geschichtsträchtigem Ort genießen – und dazu ein leckeres Essen.