Loewe Marktplatz

25.04.2012
Herausforderung Europa 2012

Heimatliebe – für das Motto der BierZeit 2/2011 haben Julia Günter und Felix Brenner auf dem Einkorn, dem Hausberg von Schwäbisch Hall, für unseren Fotografen Ufuk Arslan „gemodelt“. Herausgekommen ist ein wunderschönes Titelfoto. Die beiden jungen Leute sind bei dem American Football-Verein „Schwäbisch Hall Unicorns“ aktiv, zu dessen wichtigsten Sponsoren die Löwenbrauerei Hall gehört. Felix spielt als „Wide Receiver“ im Team, Julia unterstützt die Presseabteilung und hilft während der Heimspiele beim Biermarkenverkauf. Der Einsatz der Unicorns und ihrer treuen Fans wurde in der vergangenen Saison erstmals mit der Deutschen Meisterschaft belohnt. Julia Günter, die Sportmanagement und -kommunikation an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert, hatte sich letzten Herbst spontan bereit erklärt, für die Website der Löwenbrauerei Hall über ihre ganz persönlichen Eindrücke der aufregenden „Perfect Season“ 2011 zu schreiben und dafür auch noch eigene Fotos auszusuchen. Und auch zur neuen Saison hat Julia wieder einen spannenden Artikel geschrieben und tolle Fotos beigesteuert (unbedingt die Bildergalerie am Ende des Artikels anschauen!).

Europapokal-Spiel in Barcelona. Da wandern die Gedanken schnell zum 100.000 Menschen fassenden Camp Nou in der spanischen Metropole. Dort einmal zu spielen, das wäre doch was! Für die Schwäbisch Hall Unicorns wird das allerdings auch nach dem Wochenende des 21. April 2012 im warmen Barcelona ein Traum bleiben. Denn weder ist die Heimat des FC Barcelona für Football-Spiele geeignet, noch traten die schwäbischen Einhörner direkt in Barcelona an. Vielmehr hieß der Gegner in der European Football League (EFL), dem Pendant zur Champions League des Fußballs, Badalona Dracs. Badalona ist ein 15 Kilometer entfernter Vorort der katalonischen Hauptstadt.

Doch warum spielen die Unicorns jetzt eigentlich international? Das alles haben sie sich mit der Deutschen Meisterschaft „eingebrockt“, die sie sich im vergangenen Oktober im spannenden Duell gegen Kiel erkämpft hatten. Nach wie vor ist gerade dieses Erlebnis in den Köpfen aller Beteiligten – ob Spieler, Trainer oder Fans. Und als amtierender deutscher Meister wird es dann im darauffolgenden Jahr zur Pflicht, die internationale Bühne zu betreten. Für Hall war Badalona die absolute Premiere außerhalb Deutschlands.

Und obwohl auf die Einhörner so viel Neues zukam, nannte Felix Brenner, Wide Receiver der Unicorns, die Reise nach Spanien einen „Business-Trip“: „Hinfliegen, gewinnen, wieder heimfliegen.“ Und tatsächlich, so oder so ähnlich lief der Zwei-Tages-Ausflug dann auch ab: Am Samstagmorgen um 5.30 Uhr ging es für das Team von Sigi Gehrke nach München, von wo alle gemeinsam nach Barcelona flogen. Dort angekommen wurde der Deutsche Meister sofort in einen Bus gepackt und zum Estadio Pomar, das unmittelbar in einer Wohnsiedlung in Badalona gelegen ist, chauffiert. Erkundungstouren durch Barcelona waren da erst einmal nicht drin. Jetzt ging es vor allem darum, die internationale Premiere erfolgreich zu gestalten. Unterstützt wurden sie dabei von 80 euphorischen Haller Fans, die ihre Mannschaft auch im Ausland nicht im Stich lassen wollten. Somit war fast ein Drittel aller Besucher Haller Natur – die spanische Begeisterung für „Fútbol americano“ scheint sich in Grenzen zu halten.

Dass der deutsche Vertreter auch über mehr footballerisches Können verfügt, wurde schon Mitte des zweiten Viertels deutlich: 24:0 für Schwäbisch Hall. Die Anspannung fiel etwas ab: Puh, sie haben das Touchdown machen über den Winter also nicht verlernt! Und weil es so viel Spaß macht, legten die Unicorns auch in der zweiten Hälfte noch ein paar Pünktchen oben drauf, sodass schließlich ein ungefährdetes 44:6 zu Buche stand.

Hört sich eindeutig an. War es auch. Das heißt aber nicht, dass die Gäste in ihrem ersten Spiel des Jahres völlig fehlerfrei agierten. Abstimmungsprobleme konnte man vor allem im Angriff beobachten. Doch das kann man den Jungs auch wirklich nicht übel nehmen.

Erstens war es das erste Spiel der neuen Saison. Üblicherweise nehmen die Haller erst im Laufe der Saison so richtig Fahrt auf. Zweitens, mussten sich die Einhörner an neues Terrain gewöhnen. Nämlich an das internationale Geschäft mit erheblichem Anreisestress (Flug am selben Tag) und an den spanischen Kunstrasen, der - gemessen an der eigentlichen Footballfeld-Länge von 100 Yards (ca. 91, 5 Meter) - kurioserweise 10 Yards zu kurz geriet. So improvisierten die Südländer und halbierten den Bereich zwischen 40 und 50 Yards. Und drittens, müssen die Unicorns eine Umstellung auf der alles entscheidenden Spielmacher-Position kompensieren. Nein, Aaron Boehme, der amerikanische Wunderknabe aus der vergangenen Saison, hat sich nicht noch ein weiteres Jahr für die Unicorns verpflichtet, sondern verfolgt nun seine Karriere als Trainer in seiner Heimat.

Der „Neue“: Quarterback Jacob Spitzlberger aus Nebraska

Doch jeder, der Sigi Gehrke kennt, weiß: Er wird schon für adäquaten Ersatz sorgen. Und so scheint es ihm auch in dieser Saison gelungen zu sein. Jacob Spitzlberger gelangen in seinem allerersten Spiel außerhalb der USA gleich fünf Touchdowns: Zweimal lief er selbst in die Endzone, dreimal bediente er seine Receiver mit Pässen. Keine schlechte Bilanz für den 23-Jährigen. Auch er sieht noch reichlich Verbesserungsbedarf, hat jedoch auch schon eine Menge Spaß mit seinen Mitspielern auf dem Feld erlebt. „Nun freue ich mich auf die kommenden Trainingseinheiten, damit wir uns weiter einspielen können.“

Einen guten Einstieg in Schwäbisch Hall hat der aus Nebraska stammende Quarterback jedenfalls gefunden: „Schwäbisch Hall ist wunderschön und es gibt hier so viel Kultur und Geschichte. Das habe ich noch nie erlebt.“ Zudem hat er in seinem neuen Team schon eine Menge Freunde gefunden und sieht nun seiner Heimpremiere gegen die Parma Panthers entgegen. Gewinnt Schwäbisch Hall gegen seinen italienischen Gast mit dem berühmten Schinken, so zieht die Kleinstadt in das Viertelfinale um den Euro Bowl ein und müsste dabei zu den Vikings nach Wien reisen. „Spitz“, so wird er liebevoll von den Teamkollegen genannt, ist sich sicher: „Ein Weiterkommen ist drin.“ Sicher ist sich der Amerikaner übrigens auch schon, was die Bierwahl angeht und stellt lächelnd fest: „Haller Löwenbräu ist köstlich!“





Bildergalerie ansehen
  1. Jake Spitzlberger vor dem Abflug mit seinem Runningback Brian Rushing
  2. Das Estadio Pomar befindet sich mitten in einem Wohnviertel. Das Kunstrasenfeld ist allerdings 10 Yards zu kurz
  3. Felix Brenner, Jonathan Ziegner und Gerry Jäger freuen sich am Abend in Barcelona über ihren Sieg
  4. Gleich zwei Touchdowns hat "Spitz" in seinem ersten Spiel für die Unicorns erzielt
  5. Jonathan Ziegner und Waldemar Schander beim Paella essen
  6. Schlafstimmung beim Rückflug


» zurück zur News-Übersicht